Wie Du Twitter für Deine Öffentlichkeitsarbeit nutzen kannst

Gegründet wurde Twitter bereits 2006 und dieses vergleichsweise hohe Alter ist wohl auch der wesentliche Grund, warum es auch heute noch fast jeder kennt. Weltweit gibt es über 300 Millionen Twitter-Nutzer. Aber was genau ist Twitter eigentlich?

Was ist Twitter?

Die Grundidee ist schnell erklärt: Twitter-Nutzer können Mini-Blogartikel mit maximal 140 Zeichen verfassen, aber auch Bilder oder Videos teilen, Ortsangaben anfügen. Animierte GIF-Grafiken oder Umfragen lassen sich ebenfalls Tweeten. Andere Nutzer können unserem Account folgen und bekommen dann in Echtzeit die Tweets genannten Beiträge in Echtzeit in ihre Timeline. Auf diese Weise lässt Twitter sich zum Beispiel gut dazu nutzen, aktuelle Ereignisse zu verfolgen. Erleichtert wird dies zusätzlich durch sogenannte Hashtags, mit denen man einzelne Tweets Themen, Veranstaltungen oder beliebigen anderen Kategorien zuordnen kann.

Und was soll das mit den 140 Zeichen? Deren Herkunft ist die SMS, die bekanntlich auf 160 Zeichen limitiert ist. Zusammen mit dem Nutzernamen passt ein Tweet somit auch heute noch genau in eine SMS. Das mag wie ein Relikt auch Prä-Smartphonezeiten klingen, ist aber nichtsdestotrotz das Markenzeichen von Twitter geworden, das jeder kennt.

Twitter und deutsche Sprache – eine unglückliche Verbindung

Leider ist aber dieses 140-Zeichen-Limit gleichzeitig auch einer der wesentlichen Gründe, warum Twitter gerade im deutschen Sprachraum relativ wenig genutzt wird: Die Deutsche Sprache liebt superlange Wörter und man bekommt auf deutsch einfach weniger in 140 Zeichen ausgedrückt, als in anderen Sprachen. Die Folge: gerade einmal 1,3 Prozent des internationalen Twitter-Datenverkehrs stammt aus Deutschland. Twitter hatte hier nie auch nur ansatzweise die Akzeptanz in der breiten Bevölkerung, die beispielsweise Facebook heute hat.

Infografik: Aus diesen Ländern kommt der Twitter-Traffic | Statista
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Was Twitter trotzdem auch für deutsche Nutzer interessant macht

Man sollte also nicht erwarten, in Deutschland über Twitter massenhaft Leute erreichen zu können. Ganz ignorieren sollten wir den Dienst aber trotzdem nicht. Denn auch wenn ihn kaum jemand wirklich aktiv nutzt, kennt ihn zumindest praktisch jeder, vor allem aber nutzen bestimmte Personengruppen ihn eben auch in Deutschland sehr aktiv – und zu denen gehören unter anderem Journalisten, die Twitters Eigenschaft, als schnelle Nachrichtenquelle zu funktionieren, sehr schätzen. Und das macht Twitter für uns und unsere Pressearbeit durchaus interessant.

Ein weiterer Grund: Google durchsucht Tweets und nimmt sie in seinen Index auf. Wir vergrößern also unsere Reichweite, indem wir einen Twitter-Account betreiben und auch darüber über unseren Verein und unsere Arbeit berichten.

Wie Du Twitter für die Öffentlichkeitsarbeit in Deinem Verein oder Ehrenamt nutzt

Aber wie nutzt man diese eigentlich lächerlichen 140 Zeichen nun sinnvoll für die eigene Öffentlichkeitsarbeit? Da gibt es verschiedene Ansätze.

Zum Einen kann man einfach Links zu neuen Artikeln auf der eigenen Website twittern. Und weil jedes Zeichen wertvoll ist, empfiehlt sich hier grundsätzlich die Nutzung sogenannter Link-Kürzer wie Bit.ly oder ähnlichen Diensten. Damit erstellt man einen neuen Link, der einfach auf die echte Adresse weiterleitet. Das Ganze ist in Sekunden erledigt und nicht weiter kompliziert, spart aber eben einige Zeichen, die dem Nutzer eigentlich keinen Mehrwert bieten. Den gesparten Platz nutzen wir dafür dann lieber dazu, möglichst kurz und Prägnant neugierig auf den verlinkten Artikel zu machen. Das ist eine Kunst für sich, die etwas Übung erfordert – aber es funktioniert.

Ein anderer Anwendungsfall wäre live von bestimmten Veranstaltungen zu twittern, also in Echtzeit kurze Kommentare zu dem vor Ort Erlebtem zu posten. Ich habe das zum Beispiel oft dazu genutzt, Parteitage zu begleiten und hatte gleichzeitig hinterher eine schöne chronologisch geordnete Liste von Notizen, aus denen ich später einen Ausführlichen Artikel ableiten konnte. Dieses Prinzip ließe sich so ähnlich sicher auch auf Sportveranstaltungen, Versammlungen und viele andere Veranstaltungsarten anwenden.

Das Twittern von Fotos muss ich denke ich nicht weiter ausführen, das kann man wie schon erwähnt selbstverständlich auch jederzeit gut machen. Falls vorhanden bietet sich vielleicht auch eine Verknüpfung mit unseren Accounts bei Instagram oder Pinterest an. Auf gleiche Weise könnte man auch Grafiken oder Kacheln, wie man sie auf Facebook gepostet hat, auch hier noch einmal verteilen.

Wenn einem gerade gar nichts einfällt, aber es mal wieder Zeit für einen Tweet wird, tut es vielleicht auch einfach ein irgendwie für uns relevantes Zitat. Ich habe da erstaunlich gute Erfahrungen gemacht. Richtig gute Sprüche werden von anderen Nutzern oft sehr gern retweetet.

Die Kür: Twitter wirklich sozial nutzen und interagieren

Jetzt habe ich erklärt, wie man Zeug postet aber Twitter gilt ja durchaus nach wie vor als „soziales Netzwerk“ – und will damit schon etwas mehr als nur eine Halde für Links und Inhalte sein. Und in der Tat bietet Twitter hierfür auch einige Funktionen. Für wie nötig Du die soziale Interaktion hältst, solltest Du Dir aber ganz nüchtern überlegen. Twitter hat in Deutschland eben nicht die Verbreitung, die eine Nutzung als ernsthaftes soziales Netzwerk wirklich rechtfertigen würde. Trotzdem bietet Twitter hierzu einiges an Möglichkeiten an und die möchte ich kurz vorstellen.

Der bereits angesprochene Retweet ist zum Beispiel eine sehr einfache und auch gute Möglichkeit der Interaktion. Es geht hier einfach nur darum, Tweets anderer weiter zu verbreiten. Es wird auch deutlich, wer der Urheber ist, man „klaut“ also nicht, sondern verbreitet einfach nur weiter. Auf diese Weise kann man selbst coole Inhalte anderer auch auf dem eigenen Profil haben und verschafft außerdem dem Urheber noch etwas mehr Aufmerksamkeit. Von einem gut ausgesuchten Retweet profitieren also alle, natürlich sollte man es aber auch nicht übertreiben und alles, was einem gefällt retweeten, bis der eigene Feed nur noch aus Retweets besteht. Schließlich wollen wir ja unter dem Strich vor allem Öffentlichkeitsarbeit für unseren Verein machen und damit wären Retweets zwar als Beiwerk okay, sollten aber nicht vorherrschend in unserem Feed werden.

Auch öffentliches Diskutieren geht auf Twitter, wir können zum Beispiel auf kontroverse Tweets antworten. Auch hier gilt natürlich das 140-Zeichen-Limit, was in so mancher Diskussion durchaus Vorteile hat aber natürlich auch nervig sein kann.

Die wohl einfachste Art der Interaktion ist ähnlich wie auf Facebook der Klick auf ein „Like„, mit dem man zum Ausdruck bringt, dass einem der Tweet gefällt.

Die einzige Ausnahme von der 140-Zeichen-Regel bietet die Funktion der Direktnachrichten. Hierüber kann man anderen Nutzern Nachrichten anschreiben, die nicht öffentlich auftauchen, es handelt sich also um eine klassische Messengerfunktion. Für die Öffentlichkeitsarbeit folglich nur bedingt interessant aber vielleicht ja doch einmal ganz nützlich.

Fazit

Die Zeiten, in denen ich eine aktive Twitter-Nutzung als unbedingtes Muss erklären würde, sind sicherlich zumindest für Deutschland lange vorbei. Es geht problemlos ohne. Trotzdem bietet dieses etwas in die Jahre gekommene Netz durchaus immer noch interessante Möglichkeiten, so dass es sich lohnt, eine Nutzung wenigstens zu prüfen. Insbesondere die Indexierung durch Google und die Möglichkeit, mit Pressevertretern direkt in Kontakt zu treten, sind durchaus etwas, das uns andere Netzwerke so nicht bieten. Ob und wenn ja wie aktiv Du Twitter für Deinen Verein oder Dein Ehrenamt nutzt, solltest Du auch davon abhängig machen, was Du Dir davon konkret versprichst. Wenn Du tatsächlich Leute darüber erreichen kannst, die für Deine Arbeit interessant sind, lohnt es sich vielleicht, hier mehr zu machen. Wenn es Dir vor allem darum geht, einen Kanal zu haben und eben auch via Twitter von den Leuten abonnierbar zu sein und mit Deinen Tweets bei Google auffindbar zu sein, kannst Du das vielleicht sogar automatisieren.

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