Warum Öffentlichkeitsarbeit in Eurem Verein heute wichtiger ist denn je

„Tue Gutes und rede darüber“ – der Spruch stammt zwar von einem Politiker, einem Kommunisten genauer gesagt. Das bedeutet aber nicht, dass er unwahr wäre und das wissen viele Vereine, Genossenschaften und sonstige Ehrenamtliche auch. Sie haben deswegen seit Anbeginn des Ehrenamtes an sich immer irgendeine Art von Öffentlichkeitsarbeit betrieben – und wenn die sich in einigen Fällen vielleicht auch nur darauf beschränkt hat, der örtlichen Presse mitzuteilen, was man so tut.

Öffentlichkeitsarbeit gibt es tatsächlich in vielen verschiedenen Formen und Formaten und in den letzten Jahren sind zudem auch noch viele hinzu gekommen. Und die Entwicklung geht weiter: Wo die einen von uns heute noch versuchen, wenigstens unsere Facebookseite einigermaßen aktuell zu halten, feilen andere bereits an einer Snapchat-Strategie. Auch die Ausmaße und der Aufwand, den wir Ehrenamtlichen in unsere Öffentlichkeitsarbeit stecken, variiert stark und hängt natürlich vor allem von den konkreten Zielen und Aufgaben des Vereins ab – und von dessen Mitgliederentwicklung.

Und die ist einer der zentralen Gründe, aus denen auch Du Deine bisherige Öffentlichkeitsarbeit hinterfragen und vielleicht etwas aufmöbeln solltest. Für mich der zentrale Grund, zumindest für die Vereinsarbeit. Denn ohne Mitglieder kannst Du Deinen Verein nunmal irgendwann zu machen.

Aber darauf gehe ich später noch genauer ein. Lass mich zunächst die anderen Gründe aufzählen und erklären, aus denen gute Öffentlichkeitsarbeit im Ehrenamt so wichtig ist.

  • Öffentliche Anerkennung: Wem man gelegentlich für die gute Arbeit auf die Schulter klopft, der fühlt sich in seinem Engagement bestätigt. Ja, wir alle machen das nicht, weil wir Schulterklopfer brauchen – aber sie motivieren halt trotzdem 😉
    Anerkennug setzt natürlich voraus, dass die Öffentlichkeit überhaupt Notiz von dem nimmt, was man so treibt. Also müssen wir dafür sorgen!
  • Fördergelder, Sponsoren, Spenden etc.: Als Ehrenamtliche opfern wir vor allem unsere Zeit. Doch nicht alles lässt sich einfach so mit genügend Zeit erledigen, zumal die unsere natürlich auch begrenzt ist. Und vieles, was wir außerdem noch für unsere Arbeit brauchen, kostet nunmal Geld. Jeder Verein freut sich deshalb über Zuwendungen jeder Art und in beinahe jeder Höhe. Und jeder Ehrenamtler hat hervorragende Ideen, was er mit 100, 1.000 oder sogar 10.000 Euro verfügbarer Gelder cooles für seinen Verein auf die Beine stellen könnte.
    Aber wenn Du diese Ideen nie jemandem mitteilst, kann sie auch niemand so cool finden, dass er dafür Geld springen lässt. Also brauchst Du Öffentlichkeitsarbeit!
  • Aufmerksamkeit: Auch ohne, dass es wirklich um Mitgliederwerbung oder dem Spendensammeln gehen muss, zeigen wir doch alle hin und wieder gerne, was wir so tun. Und es ist ja auch interessant und bewegend, sonst würden wir es ja nicht machen! Lassen wir doch andere daran teilhaben. Erzähle Deinen Mitmenschen, was Du so treibst. Und das ist auf jeden Fall dann auch: Öffentlichkeitsarbeit!
  • Werbetrommel für Veranstaltungen: Die wohl offensichtlichste Form der Öffentlichkeitsarbeit und eine, um die letztlich keiner herumkommt, wenn er Veranstaltungen welcher Art auch immer plant und durchführt. Auch das kann man besser oder weniger gut hinbekommen, auch hier lohnt es sich, zu schauen, was geht.

Das sind alles bereits verdammt gute Gründe, die beste Öffentlichkeitsarbeit der Welt abzuliefern – oder es zumindest zu versuchen. Die Mutter aller Gründe sind aber Deine Mitstreiter, die Vereinsmitglieder und die, die es noch werden sollen.

Denn von denen ist der Fortbestand Deines Vereins abhängig und auch jede andere ehrenamtliche Tätigkeit, die über Deine eigene Schaffensphase hinaus betrieben werden soll.

Und die Neumitgliedergewinnung ist heute auch eine ganz eigene Herausforderung geworden. Und zwar aus drei Gründen:

  • Demographischer Wandel.
  • Konkurrenz durch andere Freizeitaktivitäten, von denen es so viele wie nie gibt.
  • Die Kombination aus beidem: Weniger potenzielle Mitglieder generell, die sich gleichzeitig auch noch für tausend andere Dinge interessieren. Das eine verstärkt noch das Andere, denn wenn meine ganzen Freunde anderes tun, sind für mich eben auch andere Dinge interessanter.

Ja ich weiß, es ist eine alte Leier, die niemand mehr hören will aber es ist nunmal so: Es gibt immer weniger junge Leute und dementsprechend hat alles und jeder größere Schwierigkeiten als früher, Nachwuchs für die eigene Sache zu finden. Das gilt natürlich nicht nur für Ehrenämter aber eben auch hier und besonders hier laufen wir immer wieder Gefahr, die vielleicht heute noch gute Lage falsch einzuschätzen und wundern uns dann, wenn plötzlich der halbe Vorstand wegen seines Studiums die Stadt wechselt und wir einfach keine aktiven Leute mehr finden… dazu sollten wir es nach Möglichkeit nicht kommen lassen und eine Öffentlichkeitsarbeit, die unsere Tätigkeiten aktiv und und aktuell begleitet und mindestens dafür sorgt, dass man uns auf dem Zettel hat, bestenfalls die Leute so richtig neugierig macht, selbst aktiv zu werden.

Etwas schwieriger wird es, wenn wir versuchen, uns von unserer direkten „Konkurrenz“ abzusetzen. Vor wenigen Jahrzehnten hatten die Leute im Wesentlichen ihre drei Fernsehprogramme, ein Buch und die Tageszeitung, die sie neben Job und Familie von einem Ehrenamt abhalten konnten. Da erscheinen Freiwillige Feuerwehr, Fußballverein und selbst der Volkstanzkreis sehr schnell als willkommene Abwechslung vom Alltag und der Zulauf war für die Vereine damals beinahe ein Selbstläufer. Lang lang ists her!

Mittlerweile ist der potenzielle Nachwuchs unter Umständen schon glücklich, wenn er sich mittels Smartphone oder Playstation zerstreuen kann. Außerdem nimmt die Zahl der Ganztagsschulen immer mehr zu und selbst, wo sie dies nicht tun, gibt es reichlich Gelegenheiten, seine Zeit mehr oder weniger erfüllend und sinnvoll rumzukriegen. Nicht zuletzt machen auch wir Ehrenamtlichen uns gegenseitig heute gefühlt mehr Konkurrenz als früher, weil viele Sportvereine begriffen haben, dass sie letztlich auch in Konkurrenz mit der nächstbesten Muckibude stehen und entsprechend ihr Angebot stetig verbreitern und interessanter machen und das gilt letztendlich auch für alle anderen Vereine.

Kurzum: Nie hatte man dermaßen viele Möglichkeiten, coole Sachen zu machen! Das ist eigentlich ja auch sehr schön und ich werde einen Teufel tun und darüber jammern 🙂 Aber: Für uns macht es die Mitgliederwerbung halt nicht gerade einfacher und das sollten wir immer im Hinterkopf haben.

Erschwerend kommt hinzu, dass beide Effekte sich gegenseitig verstärken. Denn wo es schon aus rein demographischen Gründen an Nachwuchs fehlt, wird es auch schwieriger, mit tollen Angeboten zu locken. Und wo die eigenen Freunde viele andere Interessen haben, ist eine Vereinsmitgliedschaft möglicherweise auch nicht das Naheliegendste für die demographisch bedingt weniger werdenden Jugendlichen.

Eine gute Öffentlichkeitsarbeit hat also nicht nur viele Vorteile, sie ist eigentlich heutzutage durch nichts zu ersetzen und überlebenswichtig für was immer Du auch mit Deinem Ehrenamt bewirken möchtest. Deswegen wird sich dieses Blog auch sehr intensiv mit diesem Thema beschäftigen und Dir zeigen, wie Du in Sachen öffentlicher Wirkung das Beste aus Deinem Verein herausholen kannst.

Die gute Nachricht ist: Dank vieler großer und kleiner technischer Helfer ist die Öffentlichkeitsarbeit zeitgleich mit ihrer Wichtigkeit inzwischen auch so einfach wie nie zuvor geworden. Und darum wird es im nächsten Artikel gehen 🙂