Was ein Newsfeed ist und warum Du unbedingt einen anbieten solltest

Als ich so um das Jahr 2005 herum anfing, mit WordPress zu experimentieren und erste Blogs aufzusetzen, stieß ich relativ schnell auf das Konzept des Newsfeeds. Interessant war, dass ich trotz einer gewissen Internetaffinität bis dahin nie etwas davon gehört hatte, obwohl es sich nach einer verdammt tollen Sache anhörte. Denn ich entwickelte mich damals zu einem recht aktiven Blogger – und dazu gehört neben dem Schreiben vor allem auch das Lesen vieler anderer Blogs. Das ist ohne die Nutzung von Newsfeeds und einem Feedreader so gut wie unmöglich – denn dann müsste man jeden Tag manuell ein paar Dutzend Seiten besuchen und schauen, ob es etwas Neues gibt. Der Feedreader listet dagegen einfach alles Neue bequem auf und man kann dann entweder die Seite besuchen oder die Inhalte sogar direkt im Reader lesen.

Was ist ein Newsfeed – und warum nutzen ihn so wenige?

Kurz gesagt: Ein Newsfeed ist ein standardisiertes Format, mit dem besondere Anwendungen automatisch Internetseiten auf neue Inhalte prüfen können. Das mag aus heutiger Sicht, wo alles und jeder täglich auf Facebook unterwegs ist, zunächst nicht so wahnsinnig interessant klingen.

Und tatsächlich ist der Siegeszug der sozialen Netzwerke mit Sicherheit ein Grund, warum der klassische Newsfeed nach wie vor nur von technisch interessierten und/oder Medienmenschen wirklich genutzt wird.

Doch eigentlich ist es eine Technik, die jeder, der eine eigene Seite betreibt, wenigstens kennen sollte – wenn er System wie WordPress (oder ähnliche) dabei verwendet, gilt das erst Recht, denn praktisch jedes moderne Content-Management-System bietet einen oder sogar mehrere Feeds automatisch mit an. Wenn Du eine WordPress-Seite betreibst, dann nutzt Du also längst Newsfeeds, auch wenn Du möglicherweise nie davon gehört hast!

Die mangelnde Bekanntheit liegt daran, dass das Ganze technisch zwar nicht so wahnsinnig kompliziert ist, Normalnutzer aber vermutlich doch oft überfordert. Einfach, weil es mehr erfordert, als zwei, drei Buttons zu klicken. Unwesentlich mehr aber offenbar stellt das bereits eine große Hürde dar.

Ob und wie Du Newsfeeds nach Lektüre dieses Artikels für Dich nutzen wirst, weiß ich nicht. Ich möchte auch gar nicht so tun, als sei das ein Muss. Ein Muss ist in meinen Augen lediglich, diese Möglichkeit zumindest zu kennen. Und sei es nur, um eine künftige Nutzung zumindest in Erwägung ziehen zu können.

Grundsätzlicher Aufbau und Funktionsweise

Der Newsfeed ist eine Pull-gesteuerte Technik. Das bedeutet, dass Anwendungen aktiv nachfragen müssen, ob es etwas Neues gibt. Dies tun sie entweder in festen Intervallen (vielleicht täglich oder stündlich) oder auf Knopfdruck, bzw. Anwendungsstart. Um an diese Information zu kommen, rufen die Anwendungen (in der Regel sogenannte Feedreader) besondere Dateien auf, in denen das System der Website automatisch speichert, welche neuen Inhalte es gibt. Je nach Konfiguration können hier auch die kompletten Inhalte der Seite abgelegt werden, so dass sie komplett vom Feedreader wiedergegeben werden können. Es gibt unterschiedliche Formate für einen Feed. Der bekannteste dürfte RSS sein. Heutige Reader verstehen in der Regel mindestens RSS, RSS 2.0 und Atom – was für 99% aller Newsfeeds dieser Welt ausreicht.

Diese Feed-Datei, bzw. ihre Adresse ist das, was man braucht, um den Feed abonnieren, also die Neuigkeiten der Seite im eigenen Reader lesen zu können. Und eben das dürfte schon viele Benutzer überfordern, denn dazu muss man nicht nur wissen, dass es eine solche Adresse gibt, sondern sie auch finden, kopieren und einfügen können. Neueren Feedreadern genügt es inzwischen oft auch, wenn man einfach nur die Adresse der zu lesenden Seite angibt und manche Reader haben sogar eine Art eigenen Katalog mit vielen Inhalten, die sich dann wirklich auf Knopfdruck abonnieren lassen aber im Facebook-Zeitalter besteht für viele Leute gar nicht erst der Bedarf, sich überhaupt mit Newsfeeds und Readern zu beschäftigen.

Was man mit einem Feed so alles anstellen kann

Der Feed kann aber mehr als nur in einem Reader gelesen werden. Bei einem anderen Projekt setze ich beispielsweise Newsfeeds ein, um automatisiert Beiträge anderer Seiten abzurufen und in Artikelform ein weiteres Mal zu veröffentlichen. Das nennt an aggregieren. Letztendlich spart man damit dem Nutzer, sich selbst mit dem Konzept Newsfeed auseinanderzusetzen und baut ihm einen Reader – nur dass der eben nicht frei wählbar mit Inhalten gefüttert wird, sondern man ihm das gezielt und möglichst sinnvoll zusammengestellt aussucht. Es wäre auch denkbar, nicht pauschal alle Artikel zu veröffentlichen, sondern die Feeds zunächst vollständig abzurufen, jedoch nur ausgesuchte Artikel auf der eigenen Seite zu veröffentlichen.

Ganz wichtig bei diesem Anwendungsfall: Das muss mit den Betreibern der Seiten abgesprochen sein, denn natürlich greift auch für per Newsfeed abgerufene Inhalte irgendwo das Urheberrecht!

Ähnlich, aber nicht ganz so weitgehend wäre die Methode, lediglich Überschriften per Feed zu ziehen und als Liste auf einer Website darzustellen. Jede Überschrift wird zu einem Link zum originalen Artikel und schon hat man einen wunderbaren Mehrwert geschaffen – und eine Liste, die sich selbständig aktualisiert. So etwas macht zum Beispiel Sinn, wenn man es im Verein mit Untergliederungen zu tun hat und zum Beispiel als Ortsverband Inhalte von Landes- oder Bundesebene auflisten möchte, ohne die Inhalte gleich komplett in den eigenen Feed einspeisen zu müssen.

Man kann den eigenen Newsfeed auch dazu nutzen, Inhalte automatisiert über verschiedene Soziale Netzwerke zu teilen. Für WordPress-Nutzer empfiehlt sich dafür zum Beispiel das Plugin Jetpack, aber auch der Automatisierungsdienst ifttt oder Googles Feedburner kann so etwas. Mein persönlicher Tipp: Überlegt Euch gut, ob Ihr das wirklich machen wollt. Denn es heißt nicht umsonst „soziale“ Medien: Die leben eigentlich davon, dass man eben nicht alles möglichst automatisch stattfinden lässt, sondern sich um die Inhalte kümmert. Wer Wert auf Interaktion legt, sollte das also vielleicht doch lieber von Hand und mit ein wenig Liebe machen. Trotzdem kann es, je nach Artikelfrequenz und -art schon auch sinnvolle Anwendungsfälle geben. Und es kommt auch aufs Netzwerk an – denn etwas automatisiert auf Google+ auszugeben ist sicherlich sehr viel nachvollziehbarer und auch reichweitentechnisch weniger ein Problem, als auf Facebook, weil man auf Google+ realistischerweise eher keine Nutzerreaktionen erwartet, sondern dort vielleicht einfach nur der Vollständigkeit halber die eigenen Artikel posten möchte.

Feedburner kann übrigens Deinen Newsfeed auch per E-Mail abonnierbar machen. Das ist nicht so cool, wie einen echten Newsletter anzubieten aber dafür macht es genau gar keinen zusätzlichen Aufwand für Dich und trotzdem können die Leute sich automatisch über Deinen Verein auf dem Laufenden halten.

Nutzung von Feedreadern

Trotz der vielen Dinge, die man mit Newsfeeds so anstellen kann: die für mich Nützlichste ist und bleibt das Lesen in Feedreadern. Und falls auch Du vielen verschiedenen Blogs und anderen Seiten folgen willst, dürfte das auch für Dich definitiv eine Interessante sein, die Du unbedingt ausprobieren solltest, sofern Newsfeeds denn wirklich Neuland für Dich sind und Du sie nicht ohnehin schon irgendwie nutzt.

Reader gibt es verschiedene und hier kommt es ein bisschen darauf an, wie Du gern liest. Es gibt reine Desktop-Apps, die Du Dir fest auf dem Rechner installierst und dort dann die Feeds eingeben musst, die Du abonnieren möchtest. RSS Owl wäre ein Beispiel hierfür. Der Nachteil ist, dass Du dann wirklich nur auf dem Rechner lesen kannst.

Wenn Du auch unterwegs gerne schaust, was es so Neues gibt, solltest Du Dir Online-Reader anschauen. Auch hier gibt es verschiedene, ich nutze derzeit am liebsten Feedly als Website und Feedly für Android (gibt es aber natürlich auch für iOS und andere Systeme, es gibt auch diverse Apps anderer Entwickler, die zu Feedly kompatibel sind, mehr dazu hier). Alternativ kann ich auch noch The Old Reader und den AOL Reader als Webdienste empfehlen.

Für wen Newsfeeds wirklich interessant sind und warum Du auf jeden Fall einen anbieten solltest

…solltest Du eigentlich spätestens jetzt verstanden haben – aber ich fasse es noch einmal in aller Kürze zusammen:

  • Interessant sind sie für Leute, die konkrete Seiten abonnieren wollen und nicht darauf vertrauen, dass alles, was sie interessiert, über Facebook & Co in ihrer Aufmerksamkeitsblase landet.
  • Interessant sind sie außerdem, wenn es darum geht, Inhalte oder zumindest Überschriften automatisch aktualisiert auf anderen Websites darzustellen.
  • Anbieten solltest Du einen Newsfeed, damit Leute, die Newsfeeds lesen, auch Deine Seite abonnieren können. Und eigentlich auch, weil es heutzutage, ungeachtet der relativ geringen Verbreitung des Konzeptes Newsfeeds in den Köpfen der Nutzer, einfach dazugehört, so etwas anzubieten.

Hast Du weitere tolle Anwendungsmöglichkeiten auf Lager, die man mit Newsfeeds anstellen kann? Liest Du per Newsfeed oder genügt Dir Dein Facebook-Stream? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar 🙂