Was bringt mir eigentlich dieses Snapchat?

Diese Frage hast Du Dir, falls Du älter als 20 sein solltest, garantiert auch schon gestellt, sofern Du überhaupt schon von Snapchat gehört hast. Falls nicht (was Dir wirklich nicht peinlich sein muss) fasse ich die wichtigsten Infos kurz zusammen:

  • Snapchat ist ein relativ neues aber rasant wachsendes soziales Netzwerk, das allein über das Smartphone als App funktioniert.
  • Es ist vor allem bei sehr jungen Leuten beliebt, Schüler sind für die Macher der App auch die wichtigste Zielgruppe.
  • Anders bei Snapchat ist, das Inhalte nach spätestens 24 Stunden verschwinden und man also keine lange Timeline aufbaut, in der man gemütlich durch die Posts (hier heißen die „Snaps“) seiner Freunde scrollen kann.
  • Anders ist auch, dass man sich die Inhalte, die Videos oder Fotos sein können, genau einmal anschauen kann und das auch nur für voreingestellte sehr kurze Zeiten (maximal 10 Sekunden).

So, spätestens mit Kenntnis dieser Merkmale dürfte die Frage „und was zum Kuckuck bringt mir das???“ eigentlich nur noch brennender geworden sein 😉

Ging mir eine ganze Weile auch so. Ich bin bei neuen Tools und Diensten eigentlich immer sehr experimentierfreudig, probiere alles aus, lege mir Accounts an und gucke, was man da so machen kann. Als ich Snapchat vor einigen Jahren das erste Mal ausprobiert habe, ist mir das so ohne Weiteres nicht gelungen. Ich hab es dann auch schnell wieder weggelegt und lange Zeit vergessen.

Inzwischen ist Snapchat deutlich gewachsen und kommt in Deutschland langsam im Mainstream an. Vor allem nutzen Jugendliche es mittlerweile gerne und oft und so wurde es Zeit, sich damit wohl oder übel einmal näher zu beschäftigen. Und siehe da: Auf einmal erscheint es eben doch recht interessant zu sein – und zwar nicht trotz, sondern wegen der oben genannten Besonderheiten!

Am Ende des Artikels liste ich Dir noch einige gute Ressourcen zum Thema Snapchat auf, denn dies soll keine vollständige Anleitung werden, sondern Dir einfach nur erklären, was es mit Snapchat auf sich hat, Dir also einen Überblick geben. Wenn Du es ganz genau wissen willst, solltest Du Dir das kostenlose E-Book „Snap me if you can“ von Philipp Steuer holen.

Aber was macht Snapchat denn nun so beliebt? Nun, entgegen mancher Vorurteile sind eben auch junge Leute durchaus sensibel, was ihre Daten und Fotos betrifft und Snapchat trägt dem insofern Rechnung, als dass es ge“snapte“ Inhalte eben nicht dauerhaft irgendwo öffentlich ausstellt, sondern wie erwähnt nur kurz und auch nur ausgewählten Leuten zeigt. Na klar, die Sachen liegen trotzdem auf einem Server und na klar, Snapchat selbst kann darauf zugreifen, wie es will, inklusive sämtlicher amerikanischer Geheimdienste, so wie bei allen anderen amerikanischen sozialen Netzwerken auch. Aber man baut eben trotzdem ein vergleichsweise intimes soziales Netz auf und präsentiert sich immer nur für einen Moment, nie dauerhaft.

Gleichzeitig sichert man sich auch die ungeteilte Aufmerksamkeit, denn da ja jeder Snap nur einmal anschaubar ist, klickt man ihn nicht sofort weg. Vorspulen kann man die ohnehin sehr kurzen Videos, die hier möglich sind, sowieso nicht.

Es geht also nichts in irgendwelchen riesigen Timelines unter und gleichzeitig wird man sozusagen dazu gezwungen, aufmerksam zu schauen, was die Freunde da so snappen, weil man es nicht ein zweites Mal zu sehen bekommen wird. Das ist im Kern, was Snapchat besonders und beliebt macht: Man ist unter sich, egal was man zeigt, es ist nie für die Ewigkeit und gleichzeitig kann man sicher sein, dass die Leute es sich anschauen. All das ist zum Beispiel ein fundamentaler Unterschied zu Facebook, jedenfalls für die meisten Nutzer.

Gleichzeitig kann man neben kurzen Videos (10 Sekunden maximal, also genau so lange, wie einzelne Bilder angesehen werden können) auch Bilder snappen, die man mit diversen Filtern, Smileys, Effekten, Text oder Zeichenwerkzeugen verbessern kann. Auch solche Features machen den Dienst logischerweise unheimlich attraktiv.

Die Snaps der eigenen Kontakte, die sich in den vergangenen maximal 24 Stunden angesammelt haben, werden von der App zu „Geschichten“ zusammengefasst, die man dann an einem Stück angezeigt bekommt. Einzelne Snaps kann man durch Antippen einfach überspringen, wenn man will und dann läuft das so durch.

Weder die App, noch ihre Nutzung kosten etwas. Das dürfte, was die normale Nutzung betrifft, vermutlich auch so bleiben. Snapchat finanziert sich über kommerzielle Anbieter, die ihre (teilweise sehr aufwendig angefertigten) Geschichten prominent in der App präsentieren und dafür sehr viel Geld zahlen. Andere Werbung gibt es in der App derzeit nicht und diese in Form von Geschichten ist größtenteils so gut gemacht und so unterhaltsam, dass man sie, auch wenn Snapchat sie sehr deutlich als solche kennzeichnet, eigentlich nicht als Werbung im klassischen Sinn und irgendwie nervig wahrnehmen möchte, sondern sich gerne ansieht. Allerdings findet man derzeit ausschließlich amerikanische Werber dort. In Amerika ist Snapchat nämlich schon deutlich größer als bei uns. Facebook wollte den ganzen Laden übrigens bereits 2012 mal für mehrere Milliarden Dollar kaufen, was die Snapchat-Macher in weiser Voraussicht ausgeschlagen haben und inzwischen ist die Firma ein Vielfaches wert.

Okay, wir haben nun eine Vorstellung davon, warum Jugendliche Snapchat lieben und es auch außerhalb dieser Altersgruppe immer beliebter wird. Aber was bringt uns Snapchat in der ehrenamtlichen Arbeit?

Snapcode von Jan Filter
Mein „Snapcode“. Wenn Du auf Deinem Handy Snapchat startest und die Kamera auf den Code richtest und dann auf den Bildschirm drückst, leitet Snapchat Dich direkt zu meinem Profil.

Verschiedenes 🙂

Du kannst Snapchat zum Beispiel als weiteren Kanal für Deine Öffentlichkeitsarbeit nutzen. Mache Snaps von coolen Aktionen und Veranstaltungen (optimalerweise, wenn Du regelmäßig welche durchführst oder besuchst).

Oder Du nutzt Snapchat für kurze Videobotschaften, erklärst irgendwas oder grüßt einfach nur, es muss ja nicht immer besonders nützlich und tiefschürfens sein, wenn das Erzeugen eines Snaps Dich ohnehin nur wenige Sekunden kostet.

Du kannst Snapchat auch nutzen, um in Kontakt zu treten. Denn die App enthält auch einen stinknormalen Messenger, wie man ihn von WhatsApp & Co kennt.

Eine weitere Nutzung wäre, dass Du darüber schauen kannst, wofür sich Deine Mitglieder und Freunde so interessieren und was sie so treiben. Denn das geht zwar theoretisch bei Facebook auch ganz prima, gerade die jüngeren machen sich dort aber – sicher auch Dank Snapchat – gerne etwas rar.

Sehr cool ist auch das Anlegen von Geofiltern Damit kannst Du bestimmte Orte markieren und ihnen einen Filter basteln. Das eignet sich zum Beispiel gut für Dein Vereinsheim, dass du mit Wappen oder Logo ausstatten kannst. Wie das mit den Geofiltern genau funktioniert, erfährst Du unter anderem im bereits erwähnten kostenlosen E-Book von Philipp Steuer, der auch einige Tipps gibt, was man machen und sein lassen sollte. Angelegt werden die Geofilter auf dieser Seite, dazu musst Du aber einen Snapchat-Account haben und eingeloggt sein. Von den Geofiltern gibt es eine kostenlose und eine kostenpflichtige Variante. Wie Snapchat Ehrenamtler in dieser Hinsicht behandelt, habe ich noch nicht rausgefunden aber ich werde da garantiert in nächster Zeit ein wenig herumexperimentieren.

Damit die Leute auch mitbekommen, dass Du Snapchat nutzt, musst Du ein bisschen Eigenwerbung machen. Promote also Deinen Snapchat-Account mit den reichlich schräg aussehenden Geisterbildchen, die „Snapcodes“ heißen. Die kann man mit der App einfach abfilmen und gelangt dann direkt auf Dein Profil. Einfacher geht es kaum. Diese Bildchen kannst Du überall posten oder auf Deine Website packen, immer öfter sieht man sie sogar schon als Profilbild auf Facebook.

Alternativ kannst Du auch Deinen Nutzernamen angeben oder auf eine Web-Adresse mit dem Muster http://snapchat.com/add/NAME verweisen – nur dass dort statt NAME eben Dein Benutzername hin gehört.

So, ich hoffe, Du hast jetzt einen groben Überblick und kannst einschätzen, ob sich ein Blick auf Snapchat für Dich lohnt. Mein Tipp: Probieren geht über studieren. Löschen kannst Du die App dann immer noch ganz fix wieder 😉

Wenn Du mehr wissen willst, nutze die folgenden Ressourcen

  • Das kostenlose E-Book „Snap me if you can“ von Philipp Steuer erklärt Dir alles, was es zum jetztigen Zeitpunkt über Snapchat zu wissen gibt.
  • Wenn es etwas schneller gehen soll, kannst Du Dir auch dieses zweiteilige Video-Turorial von Christian Müller von „Sozial-PR“ ansehen
    • Teil 1: Snapchat Grundlagen Tutorial: Navigation, Chat, Einstellungen und mehr
    • Teil 2: Snapchat Grundlagen Tutorial: Story, Discovery und Praxistipps fürs Snappen
  • Für aktuelle News rund um Snapchat empfehle ich Dir außerdem Allessnap.de von Achim Hepp.